Einmal Nordler, immer Nordler
„Kalle“ Lappe knipst auch mit 38 noch – in der Landesliga für seinen Jugendverein
München – Mit 38 Jahren, da fängt das Leben an. Zumindest im Amateurfußball. Da muss man nur bei Karl-Heinz Lappe nachfragen. Über Jahre rauschte der Vollblutstürmer durch die Regionalligen, knipste für Buchbach, Türkgücü, Mainz II, Bayern II. Mit Ingolstadt spielte er sogar in der 2. Bundesliga. Jetzt heißen die Gegner Planegg-Krailling, Schwabing oder Aubing.
In der vergangenen Saison gab es den Meistertitel in der Bezirksliga, Lappe spielt nun mit dem SV Nord München-Lerchenau in der Landesliga. Der Saisonstart verlief mit acht Punkten aus den ersten fünf Spielen vielversprechend. Die Bilanz von Lappe: acht Tore, drei Vorlagen. Wo das Tor steht, verlernt man eben nie. „Jedes Tor ist schön, insofern man damit der Mannschaft helfen kann. Im Grunde ist es mir mittlerweile egal, wer die Tore schießt“, sagte der Routinier unserer Zeitung. „Hauptsache, wir spielen guten Fußball und die Stimmung ist gut.“
Den SV Nord zeichnet die Gemeinschaft aus. Alle Jugendmannschaften sind besetzt, es gibt vier Mädchenteams. Die Senioren-Mannschaft spielt in der höchstmöglichen Liga. Viele Fans reisen mit zu den Auswärtsspielen, ehemalige und aktive Spieler fangen als Jugendtrainer an. „Das zeigt einfach die Verbundenheit zum Verein. Einmal Nordler, immer Nordler“, sagt Felix Kirmeyer. Kirmeyers Uropa war eines der Gründungsmitglieder des Vereins, er selbst ist seit über 30 Jahren Mitglied im Verein und seit acht Jahren Sportlicher Leiter: „Sobald du das Vereinsgelände betrittst, fühlst du dich einfach wie zuhause.“
Lappe wohnt keine 300 Meter vom Vereinsgelände entfernt. Und gab in der Jugend ein Versprechen ab. „Der Muli (seit über 50 Jahren Jugendtrainer, Anm. d. Redaktion), den ich schon seit klein auf kenne, wollte immer, dass ich bei Nord meine Karriere beende. Ich habe ihm damals mein Wort gegeben. Der Verein ist ein kleines Stück Heimat.“
Mit Freunden aus der direkten Nachbarschaft kicken, die Gespräche in der Kabine, der Zusammenhalt im Team. All das, was den Amateurfußball auszeichnet, schätzt auch Lappe. Zusammen mit Neuzugang Nico Karger führt er eine Mannschaft an, die als Kollektiv glänzt. „Lappe ist für die Mannschaft wichtig als Spieler, die Jungen schauen zu ihm auf und können von ihm lernen“, sagt Trainer Peter Zeussel: „Genauso wichtig ist er aber auch als Mensch. Er fügt sich komplett in das Team ein und will keine Sonderstellung, das zeichnet ihn aus.“ Auch Kirmeyer sieht einen „Ausnahmespieler, er ist für uns derzeit unersetzbar“.
Am Sonntagnachmittag gab es ein Spektakel. 4:4 gegen die zweite Mannschaft der SpVgg Unterhaching. Und – natürlich – Kalle knipste doppelt. Das Abenteuer Landesliga nimmt so richtig Fahrt auf.
NICO-MARIUS SCHMITZ
